Nona Simakis
00:00:01: Hallo und herzlich willkommen heute mal mit Nonas Kolumne.
00:00:05: klare Worte, klare Meinung.
00:00:08: Ich bin Griechen Jahrgang fünfundsechzig Und habe mein ganzes Leben in Deutschland verbracht.
00:00:14: ich bin Autorin und Publizistin.
00:00:17: Ich lebe von dieser Sprache und in ihr.
00:00:20: Hier hab' ich unterrichtet hier habe ich meinen Dojo gegründert und hier sind die Menschen die ich liebe.
00:00:27: Ich hänge an diesem Land mehr als manche, die hier geboren sind und gerade deshalb muss ich heute etwas sagen das mir schon lange auf der Seele liegt.
00:00:37: Ich glaube Deutschland gehört auf die Couch Und wenn nicht eine Diagnose stellen müsste wäre es diese Eine Schuldneurose.
00:00:47: Versteht mich nicht falsch.
00:00:49: Die Schuld dieses Landes darf niemand kleinreden und ich würde es auch nie tun.
00:00:54: Aber irgendwann ist aus dem Erinnern etwas anderes geworden.
00:00:59: Ein ständiges Beweisen müssen!
00:01:02: Seht her, wir sind anders, seht her wie offen wir sind.
00:01:06: Manchmal habe ich das Gefühl Toleranz ist hier gar keine Haltung mehr sondern eine Vorstellung.
00:01:12: die wird der Welt geben in der Hoffnung dass endlich jemand klatscht.
00:01:19: Wer mit Menschen arbeitet kennt dieses Muster.
00:01:22: Jemand den die Schuld nicht loslässt, kann nicht mehr nein sagen.
00:01:26: Er hält jede Grenze für Härte und jeder Selbstachtung für Hochmut.
00:01:31: Er macht die Tür auch dem auf der ihn verachtet und entschuldigt sich dann noch dass es im Flur so enkel
00:01:38: ist.".
00:01:38: Ich habe solche Menschen kennengelernt.
00:01:40: das tut weh ihnen zuzusehen!
00:01:44: Der Philosoph Karl Popper hat fünfundvierzig vor einem Paradox gewarnt.
00:01:49: er sagte Uneingeschränkte Toleranz führt mit Notwendigkeit zum Verschwindern der Tolerance.
00:01:58: Popper war kein Freund schneller Verbote, er wollte intolerante Ansichten mit Argumenten bekämpfen solange das möglich ist.
00:02:07: aber er zog eine klare Grenze dort wo jemand das Gespräch verweigert und mit Gewalt antwortet.
00:02:15: Und wenn ich Deutschland heute anschaue lese ich es im Licht genau dieses Gedankens Und ich sehe ein Land, das sich nicht mehr traut diese Grenze zu zielen.
00:02:27: Vor lauter Toleranz lassen wir die Intoleranten herein Menschen wie Frauen verachten Jüdinnen und Juden bedrohen Unsere Freiheit für Schwäche halten und das Grundgesetz für eine unverbindliche Empfehlung.
00:02:44: Am deutlichsten spüre ich diese Neurose bei einem Teil der politischen Linkern Denn was dort gesagt, gefordert und beschlossen wird klingt für mich oft nicht nach Weltoffenheit sondern auch etwas viel traurigerer.
00:02:59: Ich höre darin ich liebe dieses Land nicht!
00:03:02: Ich schäme mich vor alles was es ist und deshalb darf nichts bleiben was hier je wert hatte Nicht die Sprache, nicht die Tradition, nicht der Stolz auf das was Generationen nach dem Krieg mühsam aufgebaut haben.
00:03:20: Das ist für mich keine Aufarbeitung, das ist selbst Hass der sich als moral verkleidet und nirgendwo wird es so schmerzhaft sichtbar wie beim Umgang mit jüdischem Leben.
00:03:32: Seit Jahrzehnten sagen wir zwei Worte fast wie ein Gebet nie wieder!
00:03:38: Sie stehen auf Gedenktafeln in Sonntagsreden auf Transparenten Und gleichzeitig verstecken jüdische Kinder ihre Kippe unter der Mütze und vor Synagogen steht Polizei.
00:03:51: Im Jahr zwanzig, fünfundzwanzig wurden achttausend siebenhundertfümundzwanzige antisemitische Vorfälle registriert – im Schnitt vierhnzwanziger an jedem einzelnen Tag.
00:04:05: Gegenüber zwanzich zweiundzwzig mit zweitausend sechsunterzehn Fällen hat sich die Zahl mehr als verdreifacht!
00:04:13: Hier bei uns in Nordrhein-Westfalen stieg die Zahl der körperlichen Angriffe auf Juden um achtundsebzig Prozent.
00:04:22: Der Hass kommt von rechts, von links und von manchen, die wir in unserer grenzenlosen Offenheit selbst hereingelassen haben.
00:04:31: Und was tut Deutschland?
00:04:33: Es zündet Kerzen an und sagt wieder nie wieder!
00:04:37: Ehrlich gesagt finde ich das inzwischen beschämend fast lächerlich.
00:04:45: Ein Versprechen, dass man jeden Tag Bericht ist kein Gedenken mehr sondern eine Floskel.
00:04:52: Denn wer es ernst meint schützt Jüdinnen und Juden in diesem Land vor jedem der sie bedroht auch dann wenn er's nicht ins eigene Weltbild passt.
00:05:04: Und was glauben wir eigentlich?
00:05:07: Dass wir Menschen die uns verachten therapieren können Mit einem Integrationskurs, einem Stuhlkreis und einem Sozialarbeiter der es gut meint?
00:05:18: Ich habe mein Leben lang mit Menschen gearbeitet.
00:05:20: Und eines habe ich gelernt – man kann niemanden heilen, der nicht gehalten werden will!
00:05:29: Was mich dabei wirklich wütend macht.
00:05:32: wir bezahlen auch noch dafür.
00:05:34: Islamisten- und Polizeibekanntegefährder leben hier oft jahrelang auf Kosten der Allgemeinheit Obwohl der Staat längst weiß, wer sie sind.
00:05:44: Abschiebungen scheitern an Zuständigkeiten Fristen und Formularen.
00:05:48: Der Attentäter von Solingen hätte Deutschland verlassen müssen lange bevor er drei Menschen tötete.
00:05:55: Danach Kerzen Betroffenheit Ein Sondergipfel Und dann geht alles weiter wie bisher.
00:06:03: Das hat mit Toleranz nichts mehr zu tun.
00:06:07: Das ist Staatsversagen Und die Rechnung zahlen die Bürger.
00:06:14: Wir Griechen haben ein altes schönes Wort dafür, wie man Fremder empfängt.
00:06:19: Philoxenia Die Liebe zum Gast.
00:06:22: Zeus selbst wachte über sie Aber Philoxinia ging immer in beide Richtungen Der Gastgeber öffnet sein Haus und der Gast erd dieses Haus Seine Götter, seine Sitten, seine Ordnung.
00:06:36: Wer die Hand bis, die ihm das Brot reichte verletzte nicht nur den Gastgeber, er verletzte etwas Heiliges.
00:06:44: Für die Alten war das kein Kulturunterschied – es war ein Frevel!
00:06:49: Ich weiß wovon ich spreche.
00:06:52: Ich habe mir die deutsche Sprache zur Eigen gemacht.
00:06:56: Nicht als Werkzeug sondern mit all ihren Finessen, ihren Zwischentönen ihrer Stringe und auch ihrer Zärtlichkeit.
00:07:04: Heute schreibe ich Bücher.
00:07:06: in ihr Geschenk hat mir das niemand.
00:07:09: Ich habe die deutsche Kultur nicht bloß geduldet, ich habe sie lieben gelernt ohne jemals griechische Seele aufzugeben.
00:07:18: Und das war keine Zumutung für mich!
00:07:20: Das war Respekt und genau diesen Respekt darf Deutschland erwarten ohne sich dafür zu schämen.
00:07:29: Die Karotstich meine ist kein Ort der Anklage – sie ist ein Ort der Heilung.
00:07:36: Dort lernt man auf die eigene Geschichte zu schauen ohne sich von ihr beherrschen zu lassen.
00:07:42: Dort lernt man, dass ein gesunder Mensch Grenzen hat und das nur wer Grenzen hart wirklich offen sein kann weil seine Offenheit dann aus Freiheit kommt und nicht aus Angst.
00:07:57: Ein Land, das sich selbst nicht achtet wird auch von niemandem geachtet Nicht von seinen Bürgern?
00:08:05: Nicht von seinem Gästen?
00:08:07: Nicht vom der Welt.
00:08:11: Also liebes Deutschland Leg dich hin, ich meine es gut mit dir.
00:08:14: Es ist allerhöchster Zeit.
00:08:18: Nonnas Kolumne klare Worte, klare Meinung.